Einstiegshilfen: Drehsitze im Auto für ein behinderten-gerechtes Leben

Einen Drehsitz in das Auto einbauen zu lassen, bedeutet für viele erst einmal eines: neu- oder zurückgewonnene Freiheit. Der Einstieg in ein Fahrzeug ist für viele Menschen beschwerlich, schmerzhaft oder schier unmöglich. Ein Drehsitz im Auto kann diese Last mindern und die Auswirkungen, die körperliche Einschränkungen auf die eigene Unabhängigkeit haben, reduzieren. Dabei kann ein solcher Umbau verschiedene Formen annehmen: Es gibt mechanische und elektromechanische Drehsitze fürs Auto, auf Fahrer- und Beifahrerseite, kippende und gerade. Nicht immer ist der erste Gedanke auch der richtige – vielleicht ist eine Umsetzhilfe empfehlenswerter. Deshalb finden Sie hier einen Überblick über Drehsitze und weiter unten behindertengerechte Autositze anderer Art:

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Mechanische Drehsitze im Auto – die Hilfe im Alltag

Es gibt unterschiedliche Arten an Einstiegshilfe für Autos: Mechanische Drehsitze erfordern ein gewisses Maß an Fitness oder Hilfe. Wer noch ein paar Schritte laufen kann, vielleicht nur das Eindrehen der Hüfte vermeiden möchte oder aber beim Ein- oder Aussteigen ohnehin die Hilfe anderer Menschen bekommt, wird einen Drehsitz schätzen lernen. Der Sitz kann vor- und zurück- und so geschoben werden, dass der Sitzende aus der Tür hinausgedreht wird.

Tipp:

Das Schieben und Drehen eines Drehsitzes im Auto können Sie sich bezüglich des Kraftaufwandes ungefähr so vorstellen, wie das Positionieren eines gewöhnlichen Sitzes im Auto.

Das alles läuft – aus der Sicht eines Helfenden – in wenigen, ganz einfachen Schritten ab:

  • Entriegeln Sie den Sitz
  • Ziehen Sie ihn nach vorne
  • Drehen Sie nun den Sitz
  • Und ziehen ihn ein Stück aus dem Auto hinaus

Eine Gasdruckfeder kann Ihnen den Sitzenden vorsichtig entgegenschwingen. Vergleichbar ist der Druck ungefähr mit dem einer Heckklappe beim Öffnen – risikofrei und unterstützend. Weil sie die robuste Mechanik des Sitzes drehen und nicht die Person an sich oder sich selbst, spielt das Gewicht kaum eine Rolle. Das Bewegen des Sitzes ist gleichbleibend mühelos.

Auto-Umbaumöglichkeiten für Selbstfahrer mit Handicap

  • Pedalerhöhung für Gas, Bremse und Kupplung
  • Umlegen und Herausnehmen des Gaspedals ist möglich
  • Erhöhung wird individuell angefertigt und ist abhängig vom Fahrzeugmodell
  • Pedalerhöhungen sind nicht für jedes Fahrzeug geeignet

Tipp:

Intuitiv wollen die meisten sich beim Einsteigen in die gleiche Position begeben, in der sie dann auch im Wagen sitzen. Es ist jedoch ratsam sich leicht schräg hineinzusetzen – die Knie etwas weiter in Richtung des Hecks. Dadurch kann der Stuhl früher zurückgeschoben werden und Ihre Beine haben mehr Platz, wenn Sie sie in den Fußraum heben.

Einstiegshilfen: Wer bezahlt den behindertengerechten Umbau eines Autos?

Einstiegshilfen für Autos in Form von Drehsitzen können zwischen 3800 € und 7800 € kosten, je nachdem, ob Sie einen mechanischen oder elektrischen Drehsitz wünschen und wo er angebracht werden soll. Für die Finanzierung eines Drehsitzes im Auto (oder anderer Umbauten) können wir Ihnen eine Vielzahl an Anlaufstellen nennen. Keiner dieser Wege ist garantiert, doch unsere Kunden haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit folgenden Möglichkeiten gemacht:

In zahlreichen Einzelgerichtsentscheiden wurden Krankenkassen dazu verpflichtet, derartige Umbauten zu übernehmen. Kein Wunder: Sie tun der geistigen Gesundheit Gutes und sind für einen barrierefreien Alltag essenziell. Dies muss vor dem Umbau abgeklärt werden. Oft bedeutet das leider auch, sich bei den Krankenkassen durchsetzen zu müssen: dafür muss eine Menge Papier und Kraft aufgewendet werden. Die Kosten für den Umbau bleiben Ihnen aber erspart.

Eine weitere Möglichkeit sind Landschaftsverbände (in unserem Umkreis beispielsweise der Landschaftsverband Westfalen-Lippe/LWL). Diese sind für die Integration von Menschen mit Körperbehinderung zuständig. Besonders wenn Sie in einem Verein oder gemeinnützig tätig sind, können diese Verbände Ihnen helfen, denn das Einbauen eines Drehsitzes für Autos ist gleichbedeutend mit der Chance, am Vereinsleben, einem Ehrenamt o. Ä. teilnehmen zu können. Auch der Sozialverband VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V.) könnte Ihnen eine Hilfe sein, denn Sie kümmern sich ebenso um die Angelegenheiten behinderter Menschen. Als Mitglied erhalten Sie dort weitere Informationen zu Ihren Möglichkeiten.

Wenn Sie einen behindertengerechten Autositz benötigen, um zur Arbeit zu gelangen oder Ihren Beruf ausüben zu können, sollten Sie auch das Jobcenter bzw. die Agentur für Arbeit ansprechen. Können Sie eine Ausbildung oder eine Berufstätigkeit vorlegen, ist es wahrscheinlich, dass sie den Umbau bezahlen. Nach 14 Jahren Erwerbstätigkeit können Sie sich außerdem an Ihre Rentenversicherung wenden. Ist Ihre körperliche Einschränkung im Rahmen Ihres Jobs, zum Beispiel bei einem Arbeitsunfall, entstanden, ist Ihre jeweilige Berufsgenossenschaft außerdem ein essenzieller Ansprechpartner.

Zuschüsse für Behindertenumbau: Erforderliche Zusatzaustattungen werden in der Regel in voller Höhe übernommen (§ 7 KfzHV). Sonderausstattungen müssen von Antragsstellern begründet und können in Teilen übernommen werden.

Einstiegshilfen: Wo und in welche Autos kann ich Drehsitze einbauen?

Einstiegshilfen in Form von Drehsitzen passen in viele, aber nicht alle Autos. Genau genommen ist die Frage, welche Drehsitze in welche Autos eingebaut werden können, so komplex wie jeder Einzelfall. Beispielsweise macht ein mechanischer Drehsitz für einen Menschen von 1,90 m Größe wenig Sinn, auch in hohen Autos. Ein sich absenkender elektromechanischer Sitz in einem Auto mit hohem Dach hingegen ist als Einstiegshilfe vielversprechender. Die Größe des Sitzenden, seine individuellen Bedürfnisse und die Länge und Breite der Türöffnung (gemessen ohne Biegungen) sind alles ausschlaggebende Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Leider gibt es sehr wohl auch Autos, bei denen ein behindertengerechter Umbau bzw. eine Einstiegshilfe dieser Art keinen Zweck erfüllt, weil der Sitz sich nicht hinausdrehen kann. In diesem Fall sollte über einen Fahrzeugwechsel nachgedacht werden.

Tipp:

Man kann Drehsitze in jedes Auto einbauen, aber nicht jeder derartige Umbau macht auch Sinn. Je größer die Öffnung, desto besser das Ergebnis.

Verallgemeinernd (Ausnahmen bestätigen die Regel, fragen Sie ruhig bei uns nach) kann festgehalten werden, dass Drehsitze im Auto für Selbstfahrer nicht zu empfehlen sind. Das Auto muss vorne viel Platz bieten, damit der Sitz es inklusive Fahrer am Lenkrad vorbeischafft.

Je nach Modell des Autos muss auch die Wahl des Drehsitzes angepasst werden. Bei einem Ford B-Max, der keine B-Säule besitzt, kann beispielsweise das Eigengewicht zu einem Ausschlusskriterium werden: der Gurt wird hier nämlich am Sitz festgemacht. Hat dieser ein zu hohes Eigengewicht, kann er im Falle eines Unfalls zum Risiko werden und den (Bei-)Fahrer mit sich reißen

Ziehen Sie es in Erwägung, einen Drehsitz als Einstiegshilfe in Ihrem Auto zu installieren, gibt es viel zu berücksichtigen und es lassen sich selten pauschale Antworten geben. Deshalb rufen Sie ruhig an oder schreiben uns eine E-Mail. Wir beraten Sie gerne und geben Ihnen unsere Einschätzung bezüglich Ihres Autos und passender Drehsitze.

Tipp:

Der Einbau eines Drehsitzes benötigt immer ungefähr drei Werktage. Das beinhaltet aber eine (gesetzlich vorgeschriebene) TÜV-Abnahme (150-250 €).

Einstiegshilfen: Wann brauche ich einen Drehsitz im Auto?

Ein Drehsitz im Auto eignet sich vor allem dann, wenn bei Ihnen noch eine gewisse Bewegungsfreiheit gegeben ist oder Sie dauerhaft helfende Hände in der Nähe haben. Die Vorteile eines behindertengerechten Autositzes dieser Art reichen von

  • Einer Entlastung der Hüfte,
  • Entlastung nach einem Bandscheibenvorfall oder
  • Bei Rücken- und Gelenkschmerzen,
  • Dem Ausgleich fehlender Kraft,
  • Bis hin zur Erleichterung des Ein- und Ausstiegs für Menschen mit Behinderung.

Tipp:

Hinsichtlich des letzten Punkts haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Hilfe, die ein Drehsitz im Auto bieten kann, von Behinderung zu Behinderung und von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Für manche ist der Einbau ein Segen, für andere gibt es schlichtweg bessere Angebote. Auf alternative behindertengerechte Autositze gehen wir deshalb weiter unten ein. 

Eine Einstiegshilfe im Auto kann aber auch der psychischen Gesundheit dienen: Wer immer allein in der hinteren Fahrzeughälfte sitzt, z. B. im Rückhaltesystem, fühlt sich oft abgeschottet. Ein Drehsitz bringt dann wieder Normalität in die Autofahrt und ermöglicht es Behinderten, sich wieder als Mitmensch zu fühlen.

Unser Umbaukonfigurator verrät Ihnen mehr:

Welche besonderen Lösungen gibt es im Bereich der Drehsitze in Autos?

Das Angebot an behindertengerechten Autositzen ist weitreichend und variabel. Sie gehen auf unterschiedliche Bedürfnisse des Sitzenden ein, auf die Gegebenheiten in einem Fahrzeug und bieten verschiedene Vorteile und Einsatzmöglichkeiten. Wir bauen zum Beispiel oft folgende Drehsitze in Autos ein:

  • Der Turny® Evo: Dieser Schwenkhubsitz ist elektromechanisch und befördert den Sitzenden komplett nach draußen. Er schwenkt herum und senkt den Sitz außerhalb des Autos so ab, dass Sie sich einfach nur nach vorne aufsetzen müssen – oder sich als Rollstuhlfahrer leichter zur Seite umsetzen können.
  • Einstiegshilfen: Der Turny® Low Vehicle: Dieser behindertengerechte Autositz wird in Fahrzeuge verbaut, die wenig Platz nach oben Auch er schiebt Sie vollständig aus dem Auto heraus. Der Sitzende wird leicht gekippt (für ihn kaum merklich und angenehm), sodass im oberen Bereich des Wagens neuer Raum geschaffen wird.
  • Der Carony®: Dieser Drehsitz ist nicht nur im Auto eine Hilfe, denn er dient gleichzeitig als Rollstuhl. Um ins Auto zu gelangen, muss kein Umsetzen erfolgen, sondern nur der Stuhl über dort integrierten Schienen hineingeschoben werden. Das ist genauso einfach wie den Betroffenen bzw. sich selbst durch die Stadt zu schieben. Übrig bleibt nur der leicht zu verstauende Radstand. Die elektromechanische Vorrichtung zieht den Stuhl dann ins Auto wie einen gewöhnlichen Drehsitz. Mit dem Carony® Go gibt es außerdem die Möglichkeit, einen Elektrorollstuhl zu verwenden.
  • Der GS Seat: Dieser Drehsitz ist für Kinder und Kleinwüchsige bestens geeignet. Er lässt sich beliebig an die Körpergröße anpassen, auch immer wieder neu, sodass ein wachsendes Kind nicht regelmäßig einen neuen behindertengerechten Autositz benötigt und Sie das Produkt immer an die körperlichen Besonderheiten seines Nutzers angleichen können. Der Sitz ist kompatibel mit den meisten Drehsitz-Konstruktionen, auch Carony®, und wir können ihn mit einer Vielzahl an Sonderausstattungen kombinieren: Justierbare Armlehnen, Abduktionsblöcke, die die Beine auseinanderhalten, Lendenstützen, Brustpolster, Inkontinenzbezüge und andere nützliche Hilfestellungen.
  • Der Veigel Twister: Dieser Schwenksitz ist rein mechanisch, kann also manuell geschwenkt und gedreht Das erfordert glücklicherweise keine große Anstrengung und erleichtert dennoch das Ein- und Aussteigen im eigenen Tempo. Die Einstiegshilfe kann auf gleicher Höhe, auf der er sich im Auto befindet, gedreht und ein Stück hinausgezogen werden.
  • Tilda: Die Neigevorrichtung wird zwischen dem behindertengerechten Autositz und der Drehkonsole darunter eingesetzt. Sie lässt sich in drei Stufen neigen und reduziert so nicht nur die benötigte Höhe, um einen Drehsitz in ein Auto einzubauen und darin ungestört zu sitzen, sondern erspart Ihnen auch Anstrengung beim Heben der Füße und entlastet Ihre Knie.

Tipp:

Tipp: Nicht jeder behindertengerechte Autositz lässt sich gewinnbringend in jedes Fahrzeug einbauen. Das hat mit der Größe der Türöffnung zu tun und der Platzierung der Armaturen und der B-Säule. Oft wird deshalb ein Drehsitz beim Einbau in ein Auto mit diesen Services kombiniert:

  • Neue platzsparende Türverkleidung
  • Platzschaffende Türfangbanderweiterung
  • Anpassungen an Öffnungs- und Säulenverkleidungen
  • Rollstuhlverladungsmöglichkeiten

Einstiegshilfen im Auto: Welche behindertengerechten Möglichkeiten gibt es für Autositze noch?

Besonders auf der Fahrerseite, wo Drehsitze schlecht in das Auto eingebaut werden können, begeistern Menschen, die beispielsweise querschnittsgelähmt, aber durchaus fit sind, Einstiegs-/Umsetzhilfen oft viel mehr als ein komplett neuer behindertengerechter Autositz. Es gibt die Möglichkeit, ein ausklappbares Rutschbrett an der Seite des Sitzes anzubringen oder ein Polster auf dem Sitz zu installieren, dass sich schräg aufrichtet und Sie so beim Aufstehen nach oben drückt. Beides ist je nach Art der körperlichen Einschränkung, dem Fahrzeug und der physischen Verfassung in manchen Fällen die einfachere und effektivere Lösung.

Haben Sie Knieprobleme, ein steifes Bein oder ähnliche Beschwerden können wir Ihnen zu einer Sitzschienenverlängerung raten. Sie ermöglicht es Ihnen, sich im Wagen weiter nach hinten zu rollen und schafft somit den nötigen Platz, um ein ausgestrecktes Bein in den Fußraum zu heben (oder daraus hinaus). Sie dienen als Einstiegshilfe in das Auto, aber auch beim längeren Sitzen können Sie sich wieder wohlfühlen.

Sitze mit Rücken- und Lendenwirbelstützen haben Ausbuchtungen und Polsterungen an der Sitzfläche, die Ihre Muskeln und Wirbel unterstützen und Ihnen so – bei längeren Autofahrten oder vorhandenen Hindernissen und Vorerkrankungen – Schmerzen ersparen. Im schlimmsten Fall verhindern Sie dadurch dauerhafte Verletzungen und chronische Rückenprobleme. Existieren diese bereits, lindern diese sogenannten Lordosenstützen Ihre Beschwerden.

Tipp:

Rufen Sie uns ruhig an oder schreiben uns über unser Kontaktformular. Wir beraten Sie gerne und ausführlich zu Ihren Möglichkeiten bezüglich Einstiegshilfen für Autos und überlegen uns eine Lösung, die Ihre Situation individuell verbessert.